Lars Mittank – Das rästelhafte Verschwinden eines deutschen Urlaubers

 

Mitte Juli erreichte mich, zeitlich perfekt im Sommerloch zwischen WM-Finale und Prüfungszeit, eine Meldung die mir heute noch die Nackenhaare zu Berge stehen lässt: Die des jungen deutschen Urlaubers Lars Mittank, der in Bulgarien unter gespenstischen, mysteriösen Umständen spurlos verschwunden ist.

Viele Menschen verschwinden täglich in diesem Land, auf diesem Planeten. Sie werden entführt, tauchen aus den mannigfaltigsten Gründen unter, steigen aus Unzufriedenheit oder Frustration aus ihrem bisherigen Leben aus, fallen einem Gewaltverbrechen zum Opfer. Doch besonderes Interesse wird immer denen zuteil, die unter mysteriösen Umständen verschollen bleiben. Ein Paradebeispiel für diese Art des Verschwindens ist Lars Mittank, ein 28-jähriger Kraftwerker aus Schleswig-Holstein. Auch nach über einem halben Jahr ist sein Verbleib genau so ungeklärt wie sein Handeln in den letzten Stunden. Dieser Blogbeitrag widmet sich diesem jungen Mann. Er soll ausschließlich die diversen Meinungen und Theorien der Internetgemeinde reflektieren. Auch wenn die Vielzahl an Suchenden (deutsche und bulgarische Behörden, Interpol, Detektivbüros, Urlauber, Einheimische) kaum nennenswerte, publik gemachte Ergebnisse präsentieren konnten; ich erhoffe mir durch diesen Artikel ein wachsendes Interesse und eine zu steigernde Sensibilität gegenüber des Verschwunden und all jener, die in Zukunft unter ungeklärten Umständen einfach „verschwinden“.

Trotz aller Sensationsgier und der Legendenbildung stehen bei mir das Leid, die Trauer und die dennoch vorhandene Hoffnung der Angehörigen im Vordergrund. Es gibt nichts Schlimmeres als mit einer beißenden Ungewissheit über den Verbleib eines geliebten Menschen zu leben. Beleidigende oder abstruse Kommentare werden von mir deshalb sofort gelöscht.

Für diesen Eintrag habe ich so viel wie bisher noch nie recherchiert. Unter anderem wurden von mir die Facebook-Seite Findet Lars Mittank! (die ich euch sehr ans Herz legen möchte), die Artikel diverser deutscher und bulgarischer Webseiten, die Diskussionen und Theorienbildungen in einigen Internetforen sowie Videos auf Youtube ausgewertet. Bei Fehlern bitte ich euch wärmstens mir einen kurzen Hinweis zu geben.

Die Fakten:
Lars Mittank (Im weiteren Verlauf aus Kürzungsgründen meist als LM bezeichnet) reist Ende Juni 2014 mit vier alten Schulfreunden nach Bulgarien, genauer an den Goldstrand beim berüchtigten Ferienort Varna an der Schwarzmeerküste. Der 28-jährige ist eigentlich kein Typ vor solche Partyreisen; er wäre lieber zum Tauchen gefahren. Er hat einen Schichtberuf in einem Kraftwerk in Wilhelmshaven und eine feste Freundin. Er kümmert sich beispielhaft um seine Eltern; seinem Vater, der Jahre zuvor einen Schlaganfall erlitten hat, geht er fleißig zur Hand.

Der Ort Varna gilt neben Mallorca, der Adriaküste, der Türkei und Katalonien (Lloret de Mar) als absolute Partyhochburg für deutschsprachige Abschlussschüler und „Sauftouristen“ und besticht vor allem durch die finanzielle Komponente. Der Ort selbst hat offiziell ca. 340.00 Einwohner, von Seiten der Offiziellen von Varna wird eine Einwohnerzahl von über 650.000-970.000 ständigen Bewohnern kolportiert, was viele informell in der Stadt lebende Bürger miteinschließt. Etwa drei Millionen Touristen besuchen die Stadt jährlich.
Obgleich die meisten von ihnen nur eine harmlose Woche mit Sonne, Alkohol und Sex in Clubs und Diskotheken verbringen wollen, treten hier wie überall anders auch die Schattenseiten des Partytourismus zu Tage: Exzesse, Drogen und illegale Prostitution sind in dem Ort allgegenwärtig. Von vielen Einheimischen wird von Drogenkrieg, ukrainischem Kriegstourismus, Organ- und Menschenhandel berichtet. Ich weiß dies selbstverständlich nicht zu belegen.

LM verbringt einen unbeschwerten Urlaub im Hotel Viva an den Stränden des Schwarzen Meers. Schließlich wendet sich das Blatt jedoch:
Am vorletzten Abend des Urlaubs geht der Kraftwerker alleine zurück zum Hotel während seine Freunde nach einem Diskobesuch noch etwas essen. Bei einer McDonald’s-Filiale gerät LM, der ein Werder Bremen-Shirt trägt, vermeintlich in einen Streit mit einem deutschen Abiturjahrgang, allesamt Bayern München Fans. In der darauf folgenden Verwirrung bekommt der junge Mann einen Faustschlag gegen das Ohr. Seinen Freunden erzählt er am drauf folgenden Morgen die Bayern München Fans hätten einen Russen oder Bulgaren dafür bezahlt, dass er ihn zusammen schlägt. Er trägt von den Zwischenfall einen Trommelfellriss davon.

LM nutzt den darauf folgenden letzten Urlaubstag (06.07.2014) für die Regeneration, hat jedoch weiterhin starke Schmerzen im Ohr. Da er sich nicht sicher ist ob er mit dieser Verletzung fliegen kann, konsultiert einen Allgemeinarzt. Dieser stellt fest, dass LM mit dem Trommelfellriss nicht flugfähig ist und überweist ihn in ein Krankenhaus. Er muss seinen Flug um einen Tag verschieben.

Am nächsten Morgen (07.07.2014) trennt sich LM von seinen Freunden die via Shuttlebus in Richtung Airport fahren um den Heimflug anzutreten. Laut diverser Facebook- Einträge behauptet ein mitgereister Freund, LM habe einen verlängerten Aufenthalt seiner Freunde abgelehnt und Geld für die Behandlung im Krankenhaus und eine weitere Nacht in der Schwarzmeerstadt erhalten.

In der nicht näher definierten Klinik in Varna wird LM nach langer Wartezeit abgewiesen, der behandelnde Arzt verweigert eine stationäre Aufnahme, bestätigte jedoch das Flugverbot. Daraufhin fährt LM zurück zum Hotel Viva um seine Sachen zusammenzupacken. Ein Taxifahrer soll ihm zur Überbrückung des Abends das Hotel Colors in der Innenstadt von Varna empfohlen haben. Das Hotel verfügt über einen zweifelhaften Ruf und liegt in direkter Nachbarschaft eines heruntergekommenen Roma-Armenviertels, das selbst von Einheimischen gemieden wird.

Was in den nächsten Stunden passiert, ist immer noch nicht bekannt. Interpol, Polizei und mehrere Detektivbüros versuchen nach wie vor herauszufinden, was in den fehlenden Stunden passiert sein könnte. Der 28-jährige schreibt nach Einbruch der Dunkelheit mehrere mysteriöse SMS, telefoniert mit seiner Mutter. Er gerät in Panik. Seine Aussage: mit dem Hotel „stimme etwas nicht“, er fühle sich in Bulgarien nicht mehr sicher. Andere Quellen berichten von einem Zeugen, dem LM immer wieder erzählt er „wolle noch nicht sterben“.

Fest steht, dass er mitten in der Nacht (ca. drei bis vier Uhr morgens) das Hotel zu Fuß und mit Gepäck verlässt. Gegen fünf Uhr früh wird LM von einer Sozialarbeiterin in einem Taxi aufgegabelt. Beide Zeugen geben zur Aussage, dass er heftig winkend und scheinbar verirrt am Straßenrand stand. Des weiteren berichten sie von stark erweiterten Pupillen. Sie liefern ihn wohlbehalten am Flughafen von Varna ab. LM meldet sich erneut bei seiner Mutter, berichtet er habe es „zum Flughafen geschafft“, was immer das auch heißen mag.

Überwachungskameras zeigen den jungen Mann ab sechs Uhr morgens im Flughafen. Laut diverser Medienberichte soll er sich bei einem deutschen Touristen aus Bayern Erkundigungen über Geldtransfers via Western Union eingeholt haben. Daraufhin ruft LM seine Mutter an und bittet um 500 Euro, die die Dame auch sofort überweist. Das Geld wurde nie abgehoben.
In einem letzten Telefonat mit der Mutter erklärt LM deutlich: „Sie lassen mich nicht fahren, sie lassen mich nicht fliegen“. Und das, bevor er den Flughafenarzt aufgesucht hat. Dass ein ärztliches Flugverbot vorliegt ist klar, aber warum nicht fahren? Und wer sind „sie“?

Um kurz nach Neun besucht LM den Flughafenarzt um sich doch noch ein OK für den Flug zu holen. Das Gespräch dauerte circa 40 Minuten. Der Arzt schreibt eine ausführliche Krankenakte. Später berichtet er von Händezittern und massiver Unruhe. Offenbar verweigert LM die ihm verschriebenen Medikamente; er will sich nicht behandeln lassen. Als ein uniformierter Wachmann das Arztzimmer betritt, gerät LM erneut in Panik, sprintet wie von der Tarantel gestochen aus dem Raum zurück in den Terminal. Er lässt dabei sein ganzes Gepäck in einer Sporttasche, seinen Ausweis, sein Handy und sein Portmonet zurück. Videos einer Überwachungskamera zeigen, wie der Freizeittriathlet im Sprint Richtung Ausgang flieht. Niemand folgt ihm, Touristen werfen ihm nur verdutzte Blicke zu. Außerhalb des Flughafenkomplexes schaltet eine weitere Kamera auf den Flüchtenden. LM verlangsamt seinen Schritt als er ein Polizeiauto sieht, greift sich in die rechte Hosentasche, beginnt anschließend wieder wegzulaufen. Laut verschiedener Zeugenaussagen endet sein Fluchtweg entweder nach der Überwindung eines 2,50 Meter hohen Zauns oder an einem Hügel vor einer Baustelle am Flughafen. Danach wurde Lars Mittank nie wieder gesehen.

Spekulationen und Erklärungsversuche im Internet:
Auf diversen Foren und Plattformen im Internet wurde die mysteriöse und lückenhafte Geschichte mehrfach aufgearbeitet, interpretiert und angeheizt. Dies wird dadurch begünstigt, dass die Polizei, Behörden, Detektive und die Familie wichtige Informationen aufgrund der laufenden Ermittlungen verständlicherweise zurückhalten.

Hier einige der möglichen und unmöglichen Ungereimtheiten und Theorien um das Verschwinden des jungen Mannes:

Anmerkungen: Die Theorien stammen nicht von mir sondern aus der Internetgemeinde. Sie wurden von mir nur für diesen Blogeintrag umformuliert und gebündelt.

(1) Was genau passierte am Abend des Schlages? Wer schlug LM? Warum? Bedingt durch die wenigen und widersprüchlichen Informationen aus den Medien entstehen zahlreiche Spekulationen. Die in den Zeitungen verbreitete Version verstrickt sich in einen entscheidenden Wiederspruch: Zum einen heißt es, LM habe ein Werder Bremen T-Shirt getragen und sei mit einigen Bayern München Fans auf Abschlussfahrt aneinander geraten. In manchen Medien wird dies dahin gehend ausgeweitet, dass diverse Individuen aus dieser Gruppe einen Russen oder Bulgaren dafür bezahlt hätten Lars zu schlagen. Dies wird von Dritten soweit interpretiert, dass sich der junge Mann aus unterschiedlichsten Gründen auch „mit dem Falschen angelegt haben könnte“. Hierbei reichen die Interpretationen einiger von Diskussionen über Fußball bis zum Drogenhandel. Die Aussage in einigen Videos, LM sei in einer Seitengasse allein verfolgt und anschließend geschlagen worden, gibt sowohl von der Route als auch in dem gegebenen Kontext keinen rechten Sinn.

(2) Wie verhielt sich LM nach dem Trommelfellriss am folgenden Tag? War er durch die Verletzung ernsthaft gehandicapt, wollte er sich erholen und vor dem Flug regenerieren oder machte der Marner ungeniert mit dem Party-Urlaub weiter? Eine genauere Spezifizierung des Verhaltens von LM nach der Verletzung könnte einen genaueren Aufschluss über die Folgen eben jener geben. Konnte die Verletzung des 28-jährigen tatsächlich so schwer gewesen sein, dass sie das am Tag darauf folgende Verhalten auslöste?

(3) Warum rieten ihm alle konsultierten Ärzte er könne wegen der Trommelfellverletzung nicht in die Heimat zurück fliegen? Freunde von mir berichteten, sie hätten auch trotz einer solchen Verletzung über lange Strecken komplikationsfrei fliegen können. Ein Hausarzt bestätigte meine Frage ob man mit einem Riss des Trommelfells fliegen könne mit einem „Ja, aber“. Offenbar war es von LM die einzige richtige Entscheidung vor dem Flug um eine Erlaubnis der Ärzte zu bitten. Warum diese ihm aber immer wieder trotz ungenauer Untersuchung ein Flugverbot aussprachen ist zumindest merkwürdig.

(4) Das Verhalten der vier mitgereisten Freunde ist vielfach auf Kritik gestoßen. Natürlich handelt es sich bei Lars um einen 28-jährigen Erwachsenen mit eigener Entscheidungsgewalt und eigener Verantwortung. Doch in wie fern ist es moralisch belastbar einen verletzten Freund allein in einem fremden Land zurück zu lassen? Laut einiger Aussagen seiner Freunde bestand die durchaus hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Heimreise gegebenenfalls per Bus oder Zug angetreten werden müsste. Eine solche Reise ist nicht nur außergewöhnlich langwierig (35-48 Stunden von Bulgarien nach Norddeutschland) sondern auch für einen verletzten Menschen höchst anstrengend. Auch wenn man nachher immer schlauer ist: Es wäre die unumstößliche Pflicht der Freunde gewesen, wenigstens einen aus ihren Reihen bei LM abzustellen um im Zweifelsfall nicht nur eine helfende Hand sondern auch eine Kontaktperson zu haben.

(5) Warum wurde er in dem Krankenhaus nicht stationär aufgenommen, obwohl ein Allgemeinmediziner doch für die Einweisung sorgte? Unterschätzten die behandelnden Ärzte aufgrund von Unkenntnis oder definitiv vorhandener Sprachbarrieren die Verletzung oder hielten sie es tatsächlich nicht für nötig einzugreifen? Wenn Letzteres wirklich der Fall ist, warum wurde LM dann verboten zu fliegen? Die Hintergründe dieses Krankenhausaufenthaltes sind nicht nur der Schlüssel für die Lösung des Verschwindens sondern auch der Dosenöffner für die nachfolgenden Ereignisse.

(6) Viele fragen: Wie kam der 28-jährige auf die Idee im Hotel Color zu übernachten? Angeblich riet ihm ein Taxifahrer zu einer Nacht in diesem günstigen Hotel.
Hand aufs Herz: Was würdet ihr machen wenn ihr einen unplanmäßigen Abend in einem beliebigen Ferienort einlegen müsstet? Option 1: Am Flughafen bleiben; Option 2: Ein günstiges Airport-Hotel in direkter Nähe zum Flughafen wählen; Option 3: Zu meiner alten Bleibe am Goldstrand zurückkehren und um eine Buchungsverlängerung bitten; Option 4: In ein in der Nähre gelegenes Hotel mit sicherem Flughafentransfer einchecken. LM entschied sich gegen die eben genannten Optionen, wenn ja, aus welchem Grund? Er könnte bewusst in das Hotel geleitet worden sein, sich aber auch freiwillig dafür entschieden haben. Eine Entscheidung, die uns nur er selbst glaubwürdig vermitteln könnte.

(7) Die Geschehnisse im Hotel Color selbst. Fakt ist auch als Außenstehender: Irgendetwas hat den jungen Mann in den „verlorenen Stunden“ zwischen der Abreise seiner Freunde und den Geschehnissen am Flughafen so sehr aus der Fassung gebracht, dass er geflohen ist. In den Foren kursieren diverse Gerüchte.
Möglicherweise handelt es sich bei diesem obskuren Hotel um ein für Osteuropa typisches Motel mit wenigen ausländischen Pauschaltouristen, dafür aber mit illegalem Drogenhandel und hauseigenen Prostituierten.
Viele bringen an, dass sich LM an der Hotelbar oder in einem angrenzenden Imbiss mit den falschen angefreundet oder angelegt hat und anschließend als Drogenkurier missbraucht wurde. Diese Theorien basieren wohl auf zu vielen schlechten Hollywood-Filmen.
Es wird breit diskutiert, dass sich LM ob des niedrigen Standards seines Hotels von vorne herein unwohl fühlte und die ganze Nacht von Geschehnissen in dem Viertel oder Streitereien auf der angrenzenden Straße um den Verstand gebracht worden sei. Doch ist es dann nicht geradezu töricht das Hotel zu verlassen und nachts durch die Häuser eben jenes Slums zum Flughafen zu schlendern? Und selbst wenn, erklärt das seinen geradezu verrückten Zustand am Morgen danach?
Die meisten User im Internet diskutieren breit, ob LM in dem Hotel etwas miterlebt hat, was nicht für seine Augen bestimmt war und danach um sein Leben rennen musste. Doch dann hätte er definitiv nicht die Zeit gefunden seine Tasche so zu packen, wie sie auf den Videoaufnahmen zu sehen ist.
In bulgarischen Zeitungen wird ein Gespräch von LM mit seiner Mutter zitiert, nachdem ihm erneut die Bayern München Fans vom Goldstrand über den Weg gelaufen sein sollen. Es wird angebracht, dass der junge Mann in Angst um sein Leben um den Gebäudekomplex laufen musste. Laut dieser Berichte rief LM von einer „Anhöhe“ aus seine Mutter an. Er müsse aufpassen, sonst würde er abstürzen und würde von vier Fußball-Fans verfolgt. Diese sollen ihn unter anderem als „Nazi“ beschimpft und vor sich her getrieben haben. Die Version ist von allen die konkreteste und stichhaltigste, ist allerdings noch immer äußerst unrealistisch. Nur zur Klarstellung: Wir sprechen nicht vom Hotel Alpenglühen in Mühlbach, sondern von einer Großstadt in der sich in den Sommermonaten mehr als eine Million Menschen aufhalten. Eine Wiederbegegnung kann bei der Entfernung zum Goldstrand daher nahezu ausgeschlossen werden.
Klar ist allerdings: LM erlitt in oder bei dem Hotel eine massive Psychose.

(8) Was geschah in der Praxis des Flughafenarztes?
Die in den Nachrichtenportalen verbreitete Meldung ist mit „Als ein Wachmann kam, sprang er plötzlich auf und verließ das Zimmer“ ist für einen vierzig-minütigen Arzttermin äußerst knapp bemessen. Von Usern im Internet wird angeführt, dass der Arzt mit möglichen Fußball-Hooligans oder der Organmafia unter einer Decke steckt. Ich selbst bezweifle diese Theorien doch eher. Erstens, weil der Arzt sonst wohl niemals einen Bericht über den Besuch von LM geschrieben hätte und zweitens weil auf den Videoaufzeichnungen nicht zu erkennen ist, dass der flüchtende Mann von Sicherheitsleuten verfolgt wird.
In einem Land mit vergleichsweise hoher Korruption und EU-Tiefstgehältern wie Bulgarien dürften Arzt oder Security-Mann in einem vielgenutzten Flughafen wohl eher überdurchschnittlich gut bezahlte Jobs sein. Vorwürfe wie Schmierung oder Mafiabeteiligung werden dadurch nicht gerade gestützt.

Mein persönliches Fazit:
Aufgrund der Fülle an Informationen halte ich eine Psychose durch die Wirkung von Medikamenten auf die tagelangen Alkoholexzesse und die psychische Anspannung für die wahrscheinlichste Erklärung für das merkwürdige Verhalten von LM.

Als ehemaliger Zivi bin ich gewiss kein Medizinstudent oder Apotheker, aber mit dem Umgang mit Medikamenten und Antibiotika einigermaßen vertraut. Ich halte es für realistisch, dass eine Medikamentenallergie, -einnahme oder -überdosis in Kombination mit hohem Alkoholkonsum in dieser außergewöhnlichen Situation eine Psychose bei dem jungen Mann ausgelöst hat. Anders als bei Drogenkonsum verläuft diese periodisch, schubweise und je nach Situation in unterschiedlicher Schwere. Die Wechselwirkung von diversen Medikationen und Rauschmitteln in Kombination sind hingegen immer noch nicht genau erforscht und teilweise medizinisches Neuland. Nach einer ganzen Woche in einem für den jungen Mann unüblichen, verkehrten Tag-Nacht-Rhythmus könnte der Körper bereits geschwächt gewesen sein. Die Verletzung im Ohr kamen erschwerend hinzu. Eine dem mit Alkohol und Erschöpfung vollgepumpten Körper verabreichte Medikamentendosis gab dem Körper vermutlich den Rest.
Laut einer Quelle war LM auf dem Rückweg vom Krankenhaus in einer Apotheke um sich ein verschreibungspflichtiges Medikament zu besorgen. Alleine in einer unbehaglichen Umgebung versuchte er möglicherweise seinen Kummer mit einer Flasche Weißwein zu stillen. Der Mix aus für den Körper schwer bearbeitbaren Substanzen, die Ereignisse der vergangenen Tage und die Einsamkeit mögen zu einem kompletten Knockout mit Wahnvorstellungen und Paranoia geführt haben. Dies mag ein wenig abenteuerlich klingen ist aber in meinen Augen weitaus realistischer als die im Netz kursierenden und diffamierenden Theorien von Drogen- und Organschmuggel.
Eine Biologielehrerin von mir erzählte uns einst: Der gesamte Körper steht unweigerlich mit einander in Verbindung, alle Organe sind untereinander verflechtet, vergleichbar mit einem Zahnradgetriebe. Die Medikamente könnten sich wie ein verkeilter Stein in einem Zahnrad ausgewirkt haben. Dies ist die einzige Möglichkeit, die das Verhalten des jungen Mannes erklärt (wechselndes Vertrauen und Misstrauen; ruhige, konstruktive Gespräche und ablehnende Haltung; panische Anrufe [etwas stimmt hier nicht] und konstruktive Anrufe [bitte 500 Euro via Western Union]).

Spekulationen hin oder her: Ich hoffe noch immer, dass die Sache gut ausgeht. Ohne jegliche bösartige Ironie: Das Mindeste wäre es, wenn die Ermittler die sterblichen Überreste von Lars finden würden. Dies wäre zwar ein riesiges Unglück für alle Freunde und Verwandte des jungen Mannes, jedoch wären sie damit endlich von den schrecklichen Fesseln der Ungewissheit befreit.
Das Höchste wäre es, wenn die seltsamen Vorgänge um das Verschwinden des jungen Mannes einigermaßen lückenlos aufgeklärt und der Mann wieder wohlbehalten entdeckt werden könnte. Vielen mag die Hoffnung fehlen. Doch die stirbt bekanntlich zuletzt.

http://www.findet-lars-mittank.de

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20 Gedanken zu “Lars Mittank – Das rästelhafte Verschwinden eines deutschen Urlaubers

  1. Hallo, finde Deine Zusammenfassung gut. Ich teile Deine Psychose-Theorie. Meiner Einschätzung nach könnte eine Reisepsychose vorliegen, die bei jungen Erwachsenen ‚auf Reisen‘ im In- oder Ausland auftreten kann, häufig an symbolisch aufgeladenen ‚Brückenorten‘ (zwischen Autonomie und Rückbindung nach Hause) wie Häfen oder Flughäfen und braucht, wie häufig missverständlich diskutiert, keine Rauschmittel oder Medikamente als Auslöser. Reisepsychosen sind hartnäckig, können jahrelang anhalten und die Betreffenden suchen keine Hilfe und haben i.d.R. keinen Wunsch nach Hause zu kommen, trotz bestehender guter Beziehungen.

    Achim

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  2. Klingt für mich ebenfalls stark nach Psychose. Gedankengänge, die niemand nachvollziehen kann. Angst vor wildfremden Menschen, bei denen man sich einbildet, sie wollen einem etwas Böses. Wahnvorstellungen… etc.

    Das alles beantwortet aber leider auch nicht, wohin er gerannt ist. In welche Hände er geraten sein könnte. Die nähere Umgebung wird ja wohl hoffentlich abgesucht worden sein. Wahrscheinlicher ist aber, dass er beispielsweise gegebenfalls als Anhalter irgendwo mitgefahren oder mit jemandem mitgegangen ist. Körperlich (von der Leistungsfähigkeit her) ist man bei einer Psychose nämlich zu Höchstleistungen in der Lage.

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  3. Vielleicht hat LM einen assoziativen (hoffentlich richtig geschrieben) Schub gehabt ? Es mag nicht so realistisch klingen, aber ausschließen kann man das ja auch nicht oder? Bin über die Aktenzeichen XY Folge hier her gekommen.
    Ich hoffe alles klärt sich noch.

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  4. Ich weiß nicht, ob er in der Zeit viel geschlafen hat. Wohl eher nicht. Dazu Alkohol und am Ende die Medikamente… Im Gehirn kommt etwas durcheinander. Das ist wie ein Topf mit Wasser, welches man heiß macht. Irgendwann kocht es über, wenn man den Herd nicht abdreht. Aber egal welche psychischen Beschwerden da vorlagen, zumindest muss man ihn irgendwo verwirrt aufgefunden haben bzw. müsste er gesehen worden sein. Und da nichts von irgendwelchen Hinweisen in dieser Art bekannt ist, ist das alles sehr merkwürdig.

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  5. Habe jetzt erst (nach Varna-Infos googelnd, weil ein Bekannter dahin auswandern will) über Lars Mittank gelesen. Was ich bei den im Internet (für mich) auffindbaren Informationen nicht nachvollziehen kann ist, warum vor Ort nicht sofort eine umfangreiche Suche nach ihm stattgefunden hatte. Er verläßt den Behandlungsraum ohne sein Reisegepäck. Er kommt nicht zurück, ihm ist also nicht übel geworden und er musste schnell Richtung WC o.ä.). Statt dessen läuft/rennt er durch den Flughafen und verschwindet über einen 2,50m hohen Zaun. Das müsste doch für den Arzt und das Flughafenpersonal innerhalb von Minuten herauszufinden gewesen sein. Wenn jemand sich so verhält ist doch nicht davon auszugehen, dass er schon wissen wird, was er da macht. Eher, dass eine akute Gefahr besteht, dass ihm etwas zustößt. Ich lese aber nirgendwo, dass sofort und umfangreich mit der Suche begonnen wurde?

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    1. Also laut meines Wissens wurden zwar umfangreiche Hilfsmaßnahmen eingeleitet (Suche mit Spürhunden, Wärmebildkamera, private Flugblätter etc.), nur leider eben einige Stunden/Tage zu spät. Lars hätte überall unbemerkt hingekommen können.
      Vielleicht ist das zögern der bulgarischen Behörden sogar durchaus verständlich: Wenn jemand einfach “nur” flüchtend wegläuft, ohne sich durch Gewalt und Vandalismus strafbar zu machen, ist es eher unüblich sofort umfassende Rettungsmaßnahmen oder Verfolgungsjagden einzuleiten.
      Hand aufs Herz: Ich möchte nicht wissen wie viele alkoholisierte Personen täglich am Flughafen Varna Schabernack treiben, da wird die Leitung natürlich etwas länger.

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  6. Genau, es muss ja erst mal ne Suchmeldung raus, bevor sie nach ihm suchen. Weglaufen kann jeder, ohne dass gleich nach ihm gesucht wird. Fakt ist dennoch, in Bulgarien laufen die Uhren anders…

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  7. Dass an einem Flughafen, der regelmäßig mit Urlaubern aus einem sog. Ballermanngebiet und deren mitunter sicher – ich nenne es mal vorsichtig – wunderlichen Verhaltensweisen zu tun hat keiner gleich zur großen Jagd bläst, weil einer mal einfach raussaust zurück zur großen Urlaubsliebe oder zur nächsten Schnapsflasche oder einfach, um ein Kotzpfützchen vor den Flughafen zu spucken, das kann ich verstehen. Nur war er bei dem Flughafenarzt. Er hatte vor ca. 2 Tagen (mindestens) einen Schlag auf/an den Kopf bekommen und ein gerissenes Trommelfell. Dazu ein Antibiotikum, das sich mit Alkohol nicht unbedingt gut vertragen muss. Der flippt beim Arzt aus, läßt (zumindest auf den ersten Blick alles inkl. Handy) dort zurück und macht einen auf Batman. Und kommt nicht zurück. Wir reden hier über einen Touristen, der zu dem Zeitpunkt ohne Begleitung unterwegs war, ohne bulgarische Sprach- und Ortskenntnisse, nicht über irgendeinen einheimischen Obdachlosen, für den sich nie wieder jemand interessieren wird. Auch wenn die Uhren in Bulgarien anders gehen, so ein bisschen besorgt könnte man in so einem Fall schon reagieren.

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      1. Mir geht es eigentlich nicht darum, mehr Details zu erfahren, als im Internet und auch hier in der sachlich und gut geschriebenen Zusammenfinden zu finden sind. Die Berichterstattung war recht umfangreich, finde ich. Was dann in Foren spekuliert wurde (hat er nun Drogen genommen oder nicht, hat er oft gepöbelt oder nicht, war er vielleicht bei einer Prostituierten, usw), das geht doch niemanden etwas an. Zumindest nicht wildfremde Menschen wie mich. Mir geht es mehr um den Gedanken, wie einfach es unter Umständen verhindert hätte werden können. Und ob es nicht eine Möglichkeit gibt, für die Zukunft genau das zu tun. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es Familie und Freunden in so einer Situation gehen muss. Und dem direkt Betroffenen, so er denn überlebt…

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      2. Natürlich kann man vieles verhindern, hätte man auch in dem Fall sicherlich tun können. Lässt sich nur in der Realität nicht immer umsetzen. Die Realität ist unberechenbar. Man kann nicht voraussehen, dass gewisse Dinge passieren. Und es werden auch immer wieder solche Dinge passieren.

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      3. Sehe ich ähnlich. Für so eine Geschichte würde ein Drehbuchautor viel Geld verdienen, aber wem fällt so etwas nur ein?
        Es ist, fernab von jeglicher Sensationsgier, immer wieder erstaunlich zu sehen, welche unfassbaren Geschichten dieses Leben schreibt, wie ein Rädchen ins andere greift und so eine Tragödie auslöst.
        Man hätte an mehreren Stellen den Ablauf in eine andere Richtung lenken können. In einem bequemen Wohnzimmersessel, mit mehr als einem Jahr Abstand, bei einem Glas Rotwein und einer Packung Chips ist es immer einfach Lösungen und Ratschläge zu finden, viel schwieriger ist es sie auch tatsächlich umzusetzen. Nicht nur Lars und seine Kumpels, sondern vermutlich auch sämtliche beteiligte Bulgaren waren wohl mit solch einer Situation noch nie konfrontiert.
        Aber zurück zum Thema: Ich bin mir auch relativ sicher, dass vieles von Lars‘ Vorgeschichte im Gespräch beim Flughafenarzt im Übersetzungs-Wirrwarr hängen geblieben ist. Gut möglich, dass er (der Doc) im Anschluss die Flughafen-Security informiert hat, um den Außenbereich des Airports kurz abzusuchen, doch den Hauptanstoß für die polizeiliche Suchaktion gab seine Mutter.
        Letztendlich bringen die Spekulationen wenig, die einzigen die mehr wissen könnten sind die Ermittler in Deutschland und Bulgarien, nur bezweifle ich das mittlerweile stark.
        Der einzige der in diesem Fall wirklich kompromisslos aufklären könnte ist Lars selbst.

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  8. Der Taxifahrer vom Flughafen zum Hotel macht mir Sorgen. Das Hotel ist 7,8 km vom Flughafen entfernt (Google). Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Taxifahrer den Besitzer des Hotels kennt zu dem er fährt. Und wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Taxifahrer den Flughafenarzt kennt. Als Taxifahrer in Varna, wie oft ist er da am Flughafen?

    Wenn man Angst hat, dann betrinkt man sich doch nicht, wenn man alleine in einem unbekannten Umfeld ist. Vorallem nach dem Erlebten vom Vorabend.
    WISO kommt ein Sicherheitsmann ins Arztzimmer.
    Wenn es wegen Drogen war, wiso wird er nicht verfolgt von dem Sicherheitsmann. Gerade am Flughafen, da wird man doch wach wenn es um Drogen geht. Keiner hat ihn verfolgt.

    Ich war schon 5 mal in Bulgarien (2mal in Varna). Alleine möchte ich da nicht sein. Und mit unseren Strukturen sollte man das nicht vergleichen, das hat oben ja schon mal jemand gesagt.
    Das ganze tut mir echt leid, . Ich hoffe er wird wohl auf gefunden.

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    1. Wie auf vieles andere wurde auch über die Bayern-Fans von den ermittelnden Behörden ein Mantel des Schweigens darübergelegt. Bis sie bei „Aktenzeichen xy“ offiziell genannt wurden hielten viele sie sogar für ein Gerücht. Aber scheinbar wurde diese Spur schon ausgeschlossen.

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  9. Obwohl das Verschwinden nun schon länger zurück liegt und offenbar auch medienwirksam aufbereitet wurde, habe ich erst heute von Lars‘ Fall erfahren.
    Einige Fakten wurden in der hiesigen Zusammenfassung nicht genannt, welche in der Sendung Aktenzeichen Xy an die Öffentlichkeit weiter gegeben wurden. Beispielsweise sagte einer seiner Freunde aus, das Lars trotz All inclusive Buchung und den abendlichen Parties mit Alkoholkonsum, auffallend wenig gegessen habe.
    Das kann unterschiedliche Gründe haben. Ich erkläre es damit, dass Alkohol Appetit hemmend wirkt und auch die hohen Temperaturen vor Ort, eher wenig dazu beitrugen das er ordentlich aß. Eventuell spielten auch Drogen eine Rolle. Das dies nicht öffentlich wurde, kann daran liegen, dass die Freunde um ihre Arbeitsstellen und ihr Ansehen innerhalb des sozialen Umfelds fürchten. Aber Drogen wünsche ich nicht ausschließen.
    Laut zwei seiner Freunde, verschwand Lars vor einem Schnellimbiss in dem sie noch etwas bestellten und berichtete am nächsten Morgen von einer körperlichen Auseinandersetzung. Hierbei soll die Gruppe Bayern München Fans, einen Russen oder Bulgaren bezahlt haben, ihn zusammen zu schlagen. Er wich den Schlägen aus und wurde dabei am Ohr getroffen.
    Den Freunden kam diese Geschichte merkwürdig vor.
    Allerdings wurde tatsächlich ein Trommelfellriss diagnostiziert, welcher seine Aussagen untermauert.
    Nachdem er sich also untersuchen ließ und in eine Spezialklinik überwiesen wurde, verließen während dessen die restlichen Freunde den Urlaubsort, alle in der Annahme, Lars würde zwecks weiterer Behandlung, stationär aufgenommen werden. Nachdem man ihm allerdings mitteilte, er müsse sich einer OP unterziehen, lehnte er mit dem Argument ab, sich lieber in Deutschland operieren lassen zu wollen. Daraufhin verließ er die Klinik.

    An diesem Punkt stelle ich für mich fest: Angenommen er stand hier bereits unter Drogeneinfluss, wäre dies doch zumindest einem der Ärzte die er bis dahin konsultiert hatte aufgefallen. Wenigstens einer der befragten Ärzte hätte bestätigt, dass er desorientiert wirkte, high, paranoid o.ä.
    Man hätte ihn unter diesen Umständen niemals operieren können und seinen Zustand toxilogisch abklären lassen.
    Das er, nun auf sich allein gestellt, noch das Risiko eingeht und etwas einwirft, halte ich für ausgeschlossen.

    Aufgrund der nun ungeplanten Reiseverlängerung und eines Flugverbots ( Lars gab bei den Freunden an, er habe Angst vor weiteren Schäden am Gehör, da er dies für seine Arbeit benötigt), muss er also seine finanziellen Ressourcen schonen und fragt vielleicht einen Taxifahrer nach einer günstigeren Alternative zum bisherigen Hotel.
    Dieser empfiehlt ihm das Color(s), welches in einem Armenviertel liegt und bei Lars Unbehagen auslöst. Ein alleinreisender Deutscher, erstmal aufgeschmissen und ohne konkreten Plan B, in einem Umfeld aus kriminellen und anderen Machenschaften… Wer hätte da keine Angst?
    Er ruft vom Hotel aus, relativ spät am Abend, seine Mutter an und sagt, etwas stimme mit dem Hotel nicht. Er bittet sie, seine Kreditkarte sperren zu lassen.
    Das ahnungslose Touristen abgezockt werden ( können) ist ja nichts ungewöhnliches. Möglich, das ihm dahin gehend ein konkreter Anhaltspunkt vorlag.
    Anstatt nun die Nacht irgendwie rum zu bringen und am nächsten Morgen auszuchecken, flüchtet er aus dem Hotel. Mit seinen Habseligkeiten. Er ruft erneut, nun mitten in der Nacht, seine Mutter an und sagt, er habe sich versteckt und werde von vier Männern verfolgt.
    Das letzte Telefonat setzt er ab, als er morgens den Flughafen erreicht und noch vor seinem Besuch beim Flughafenarzt aussagt, „sie“ lassen ihn nicht fahren und fliegen. Er bittet um 500€ per Western Union und konsultiert den Arzt. Sichtlich angespannt und nervös, springt er panisch auf, als ein uniformierter Flughafenmitarbeiter zur Tür reinschaut. Er verlässt panisch das Flughafengelände und verschwindet ( wahrscheinlich), im angrenzenden Sonnenblumenfeld hinter dem Zaun.

    Er erhielt im übrigen, da er die Operation vor Ort ablehnte, ein Breitbandantibiotikum. Bei seiner Mutter erkundigte er sich, ob sie das Medikament kenne und was das sei.

    Mein Gefühl sagt mir, das Lars in dieser Nacht tatsächlich an den falschen geriet, vielleicht an eine ganze Gruppe. Ich bezweifel allerdings, das diese Leute die Bayern München Fans waren.
    Es verwundert mich, das Lars ins Hotel zurück ging und seinen Freunden erst am nächsten Morgen davon erzählte. Er hat dem Vorfall bis dahin nicht viel Bedeutung beigemessen. Es ist aber möglich, dass er von da an, beobachtet wurde.
    Wegen der Schmerzen suchte er mehrere Ärzte auf. Er schickte seine Freunde heim, da er glaubte, ohnehin stationär behandelt werden zu müssen.
    Er hatte seine Sachen stets bei sich. Da er seinen Handyakku nicht zwischen zeitlich aufladen konnte, hielt er sich stets kurz wenn er seine Mutter anrief. Anstatt planlos herum zu irren, suchte er gezielt den Weg zum Flughafen. Er holte sich sogar noch ärztlichen Rat ein, während seine Mutter ihm Geld per Western Union transferierte und einen Rückflug buchte.
    Lars war über wiegend rational und gefasst. Erst als dieser Mitarbeiter ins Spiel kommt, flüchtet er.
    Ich halte eine Psychose für ausgeschlossen. Entweder hätte er zwischen zeitlich einen wachen Moment gehabt und sich Hilfe beschafft oder er wäre derart abgedreht, das er in einer Touristenhochburg wie Varna, früher oder später, aufgegriffen worden wäre. Jemand der so dringend wie er nach Hause wollte, verschwindet nicht für beinahe zwei Jahre.
    Das ginge nur, wenn er entweder gewollt untergetaucht wäre oder tot ist.
    Er muss dieser Gruppe eventuell im Hotel wieder begegnet sein. Eventuell hat er etwas beobachtet. Vielleicht steckt noch viel schlimmeres dahinter.
    Den menschlichen Abgründen, sind keine Grenzen gesetzt!
    Er muss bemerkt haben, das er dort niemandem trauen kann. Er muss die Befürchtung gehabt haben, das dieser Vorfall ( Auseinandersetzung ), weite Kreise gezogen hat und sich von da an, allein auf den Weg gemacht haben. Wahrscheinlich ging er davon aus, das die Flughafenmitarbeiter in, was auch immer da passierte, involviert sind.
    Ich glaube zu keinem Zeitpunkt das Lars psychotisch war oder paranoid. Er muss aber bemerkt haben, dass ihm die falschen Leute, zu oft „zufällig“ begegneten und darüber hinaus, wurde er kopflos und stürmte davon.
    Ich glaube, das er entweder von seinen Verfolgern erwischt wurde oder während seines weiteren Bestrebens, nach Hause zu kommen.
    Für mich liegt hier ein Kapitalverbrechen vor.
    Die Fragen die es zu klären gilt: Wer war die Gruppe bestehend aus den FC Bayern Fans?
    Wen bezahlten sie angeblich dafür, dass Lars geschlagen wurde?
    Gab es in dem billigen Hotel keine Kameras? Wer hatte zu diesem Zeitpunkt dort eingecheckt?
    Welche polizeibekannten Gruppen/Personen verkehren rund um das Hotel oder ist bekannt für Angriffe auf Touristen?
    Es wäre ja ein schier unmöglicher Zufall, wenn die Gruppe auf gut Glück so jemanden bestechen konnte. Vielleicht handelt es sich da um jemanden, der dafür als „Spezialist“ gilt.
    Fakt ist, unabhängig davon, was vorher passierte: Das Geld der Mutter wurde nie abgehoben. Lars verschwand.
    Das bedeutet, wäre es um Geld gegangen, wäre Lars gezwungen worden es abzuheben. Western Union wird gern von Betrügern genutzt, da es keine Rückschlüsse auf den Empfänger liefert.
    Es muss ihm also etwas passiert sein, was nie im Zusammenhang mit Raub stand. Und es muss passiert sein, bevor Lars das Geld überhaupt ansprechen konnte ( auch wenn er aus purer Verzweiflung bloß versuchte, sich frei zu kaufen ). Es passierte, bevor er Hilfe bekam.

    Eine dubiose, mysteriöse Geschichte aus dem kriminellen Untergrund.
    Ich glaube, Lars lebt nicht mehr.

    Aber so lange es Menschen gibt, die auch noch nach Jahrzehnten wieder auftauchen, so lange sollte auch man auch an ihn glauben!

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    1. Danke und Respekt für deinen ausführlichen Kommentar.
      Für mich ist der Fall Lars mitank wie ein überdimensionales Labyrinth mit vielen unterschiedlichen Ausgängen: sobald man eine andere Abzweigung nimmt endet man an einem völlig unterschiedlichen Ende.
      Letzten Endes bleibt das Rätsel aber auch das Leid der Verwandten, das sollte man nie vergessen.

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