Die besten WM-Spiele aller Zeiten (2/5)

World-Cup-006

Platz 20: Brasilien 1:0 England
WM 1970/Vorrunde
Der Titelverteidiger gegen den Mega-Favoriten. Bereits in der Gruppenphase der ersten Mexiko-WM kommt es zum Kampf der Giganten, der alles hält was er verspricht.
Ein Spiel der großen Helden ihres jeweiligen Landes. Die Samba-Fußballer Pele, Jairzinho, Rivelino und Co. auf der einen – die letzte große Vorstellung der Wembley-Helden Bobby Charlton, Bobby Moore, Geoff Hurst und Gordon Banks auf der anderen Seite.
Und letzterer sollte sich an diesem heißen mit einer Parade für die Ewigkeit unsterblich machen: Nach einer Flanke von Jairzinho köpft Pele wuchtig und scheinbar unhaltbar für Banks in die linke, lange Ecke. Banks, der sich während des Kopfballs noch auf dem Weg zur anderen Ecke befand, wirft sich spektakulär mit einem Hechtsprung rückwärts in die lange Ecke und wehrt den Ball ab. Eine sensationelle Rettungstat, die in einem Sport, in dem die Tore und Dribblings über Defensiveinsatz gestellt werden, auf jeden Fall einer Anerkennung bedarf.
Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Jairzinho drückt den Ball in der 59. Minute zum Endstand über die Linie. Es folgt kein unkontrollierter, offensiver Schlagabtausch, keine Aufholjagd, und dennoch: Die 90 Minuten von Guadalajara sind für damalige Verhältnisse auf einem geradezu unerhört hohen taktischen und spielerischen Niveau – nichts zu sehen vom verrufenen Schlafwagenfußball der Siebziger. Ein absoluter Höhepunkt der WM-Geschichte

England-Cameroon-World-Cup-1990_2383378Platz 19: England 3:2 Kamerun
WM 1990/Viertelfinale
Die Fußball-Weltmeisterschaft 1990 ging nicht gerade als Sternstunde in die Geschichte dieses Sports ein. Bei keinem anderen Turnier fielen im Schnitt weniger Tore; 0:0, 1:0 und 1:1 mutierten zu den absoluten Standardergebnissen dieser WM. Defensive Maurerarbeiten im Heimatland der massierten Verteidigung dominierten die gesamte Endrunde und selbst spielstarke Mannschaften wie die Holländer und Brasilianer bolzten sich mit einer unverschämten Lustlosigkeit durch die Veranstaltung.
Doch es gab auch Ausnahmen: Die gastgebenden Italiener spielten frischen Angriffsfußball, Deutschland begeisterte mit grandiosem Offensivspiel und ein kleines Land aus Westafrika eroberte die Herzen der Fußballfans in aller Welt.
Die Kameruner, deren Erfolg gegen Argentinien im Eröffnungsspiel bereits ein zerstörerisches Erdbeben für den Weltfußball war, drangen mit Klasse, Kampf, Krampf und witzigen Tänzchen um die Eckfahne bis ins Viertelfinale vor, wo nun die Engländer warteten. Eine klare Sache, möchte man meinen.
Doch nach früher Führung durch David Platt schlug Kamerun in Halbzeit Zwei doppelt zu. 2:1-Führung bis kurz vor Schluss. Dann griff Gary Lineker in die Trickkiste: Zwei astreine „Diver“ im Strafraum, höchstens einmal mit gegnerischem Einfluss, zwei Elfmeter, zwei Tore. 3:2 nach Verlängerung. Die heldenhaften Kameruner sind untröstlich. Doch Pele persönlich gratuliert den Afrikanern in höchsten Tönen: „Für mich seid ihr die wahren Weltmeister!“ Chapeau!

article-2572742-1C071C5B00000578-402_634x346Platz 18: Brasilien 6:5 Polen n.V.
WM 1938/Achtelfinale
Tief im „Fußball-Mittelalter“, bei der WM 1938 in Frankreich, lieferten die beiden Teams ein Match ab, das zeitgenössische Journalisten als das „großartigste Spiel aller Zeiten“ beschrieben. Die Polen boten bei ihrer WM-Premiere das Team auf, das die favorisierten Jugoslawen aus der Qualifikation kegelte. Und Brasilien hatte den „schwarzen Diamanten“ Leonidas da Silva, seinerseits nicht nur der Erfinder des Fallrückziehers sondern ohne Zweifel auch einer der talentiertesten Fußballer überhaupt.
In einem wohl heute nicht einmal mehr für die U23-WM geeigneten Stadion in Straßburg bekämpften sich die beiden höchst unterschiedlichen Fußballmannschaften mit allen Mitteln und schenkten sich nichts. Die Polen, die extra für dieses Spiel per Zug aus der Heimat angereist waren, gingen kein einziges Mal in Führung, schafften es immer nur während kurzzeitiger Wolkenbrüche, die technisch versierten Brasilianer aus dem Konzept zu bringen und aufzuschließen.
Dreimal führte Brasilien, zwischenzeitlich sogar mit zwei Toren, dreimal bringt ihnen das rein gar nichts: Polen kam immer wieder zurück – in Form von Ernst Willimowski, der später auch für Deutschland spielte. Erst in der Verlängerung schien Leonidas für die Entscheidung zu sorgen, sorgte mit seinem Hattrick für das 6:4, doch Willimowski persönlich sorgte mit Tor Nummer 4 für den erneuten Anschluss. Doch zu einem Wiederholungsspiel sollte es dann doch nicht mehr kommen. Brasilien hatte die starken Polen bezwungen und den Weg bereiten für den dritten Platz bei diesem Turnier, dem ersten großen Erfolg für die Selecao. Für die Polen hingegen sollte es die letzte große Vorstellung auf internationaler Bühne werden. 15 Monate später begann der Krieg.

0,,17706220_303,00Platz 17: Spanien 1:5 Niederlande
WM 2014/Vorrunde
Bereits am Abend des zweiten Spieltags der brasilianischen Festspiele 2014 kommt es zu einem waschechten Hammer: Der Neuauflage des vorangegangenen Endspiels, in dem eine überharte und biedere holländische Mannschaft von den Spaniern niedergerungen wurde. Zehn der vierzehn eingesetzten spanischen Spieler standen bereits im Finale von Johannesburg auf dem Platz – eine eingespielte aber satte, erfolgsverwöhnte Mannschaft. Im Gegensatz dazu hatte Bondscoach van Gaal seine Mannschaft einer radikalen Verjüngungskur unterzogen und sie ohne große Favoritenbürden zu einer schlagkräftigen Truppe umgeformt.
1:0 führt der Favorit Spanien kurz vor der Halbzeitpause durch einen unberechtigten Elfmeter, dann schlägt van Persie mit einem einmaligen Flugkopfball zurück. Die zweiten 45 Minuten werden zu einem denkwürdigen Stück Fußballgeschichte. Robben tanzt die Verteidiger in Weiß aus wie Slalomstangen, Casillas patzt wie ein Vorschüler und das hoch gelobte spanische Tiki-Taka bekam keinerlei Zugriff mehr auf das Spiel. Man hatte mit allem gerechnet, nur nicht damit! Vier Tore in Halbzeit Zwei! Teils irregulär, teils spektakulär – in jedem Falle völlig verdient.
In Brasilien traten alle Schwächen der spanischen Nationalmannschaft offen zu Tage: Der immer noch große Graben zwischen Madrilenen und Kataloniern, die Überalterung der Mannschaft sowie die gnadenlose Schwäche des spanischen Kurzpassspiels gegen konterstarke Mannschaften. An diesem Abend endete mehr als nur ein Fußballspiel, es war das Ende einer beeindruckenden Ära.

1970
Platz 16: BR Deutschland 3:2 England n.V.
WM 1970/Viertelfinale
Der erste von zwei unvergessenen Krimis, die Deutschland innerhalb von vier Tagen in der Verlängerung ablieferte.
Bis zwanzig Minuten vor Schluss sah es miserabel aus für die Nationalelf. Ohne selbst zu wissen wieso führten die Titelverteidiger von der Insel mit 2:0. Dann kam Beckenbauers Weitschuss zum 1:2, anschließend wurde Mittelfeldmotor Bobby Charltons zur Schonung für das Halbfinale ausgewechselt. Die deutsche Mannschaft schöpfte wieder Hoffnung und das Publikum in Leon stellte sich wie eine Wand hinter die das Team. Der Rest ist längst unvergessen: Seeler mit dem Hinterkopf, Müller per Volley in der Verlängerung. Deutschland hatte Revanche genommen für das verlorene Endspiel vier Jahre zuvor, England musste nach Hause und beendete gleichzeitig endgültig die größten Jahre seiner modernen Fußballgeschichte.
Ein Spiel, das außerdem endgültig richtungsweisend sein sollte: Für Deutschland nach oben, für England nach unten. Während Erstere seit dem Sieg drei Welt- und drei Europameisterschaften gewinnen konnten, laufen Letztere bei den meisten großen Turnieren unter der Rubrik „Pleiten, Pech & Pannen“. Trotz des frühen Ausscheidens: Zu ihrer Form von 1970 kamen die Engländer nie wieder.

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