Die besten WM-Spiele aller Zeiten (3/5)

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Platz 15: Niederlande 2:0 Brasilien

WM 1974/Viertelfinale
„Wir haben gegen die beste Mannschaft der Welt verloren“, gab der brasilianische Coach Zagallo kleinlaut zu. In den neunzig vorangegangenen Minuten war seine Mannschaft, immerhin amtierender Weltmeister, regelrecht zerlegt worden, das Beste an der Angelegenheit war für sie noch das Ergebnis.
Die verregnete, schwerfällige WM in den ausladenden Arenen Westdeutschlands hatte einen ganz großen Stern: Die Niederlande mit ihrem revolutionären totalen Fußball. Ajax und Feyenoord hatten es mit herausragendem Erfolg auf Vereinsebene vorgemacht, nun war die Elftal an der Reihe ihre Gegner mit geradezu rasendem Offensivspiel zu pulverisieren. Die Überreste der brillanten 70er-Weltmeister bekamen das schonungslos zu spüren.
Die Holländer stehen in der ersten Hälfte dicht gestaffelt am Strafraum und warten die brasilianischen Vorstöße ab, als nicht viel kommt werden sie in der zweiten Halbzeit selbst aktiv: Neeskens und Cruyff schließen zwei fantastische Vorstöße der Mannen in Orange ab und besiegeln endgültig den Finaleinzug.
Die Spieler in Gelb werden phasenweise an die Wand gespielt und wissen sich nur mit beknackten Fouls zu helfen. Tiefpunkt: Luis Pereiras Sense in der Schlussphase, die eine glatte Rote nach sich zieht.
Die Holländer 1974: Eine Lehrstunde des modernen Fußballs, dass sie sich im Münchner Olympiastadion nicht krönen konnten, hatte wohl eher charakterliche Gründe.

England-vs-West-Germany-1966-World-Cup-FinalPlatz 14: England 4:2 BR Deutschland n.V.
WM 1966/Finale
Das Tor, immer wieder dieses verflixte Wembley-Tor. Und sonst so?
Geoff Hurst erzielt als erster und bis heute einziger Spieler in einem WM-Finale drei Tore, ein Rekord für die Ewigkeit. Hans Tilkowski wird zweimal am Kopf getroffen und beißt in Ermangelung an Auswechslungen für die restliche Spielzeit die Zähne zusammen. Weber entreißt England buchstäblich mit dem Schlusspfiff den Pokal, als er nach einem Freistoß mit dem letzten Atemzug ins englische Tor trifft und damit die Verlängerung erzwingt. Franz Beckenbauer, der Jungstar und Bobby Charlton, der Topstar dieser WM versuchen das Spiel zu dirigieren und merken erst nach der Partie, dass sie sich eigentlich die ganze Zeit lang nur gegenseitig aus dem Spiel genommen haben.
Fernab von der Unantastbarkeit der Tatsache, dass die beiden von England in der Verlängerung erzielten Tore irregulär waren, ist das WM Finale 1966 dennoch ein Traum. Für Fußballästheten und –Nostalgiker ist es die perfekte Mischung aus moderner Taktik und der alten Art Fußball zu kämpfen und zu laufen. Ein Bilderbuch-Finale zwischen zwei gleichwertigen Mannschaften, die alles für den Sieg taten.

W020060705332324556376Platz 13: Deutschland 0:2 Italien n.V.
WM 2006/Halbfinale
Im Dortmunder Westfalenstadion, ausgerechnet dort wo das Sommermärchen drei Wochen zuvor mit dem Last-Minute-Sieg gegen Polen seinen Anfang nahm, endete es auf ebenso tragische wie verdiente Weise.
Angeschoben von einer beispiellosen Welle der nationalen Euphorie spielte sich die Nationalelf bis ins Halbfinale – die taktischen Schwächen, vor allem im defensiven Bereich, konnten jedoch nicht immer kaschiert werden. Die Italiener hingegen spielten, typisch, längst nicht so spektakulär, aber taktisch reif und absolut diszipliniert. Abgesehen von einem Eigentor von Materazzi schaffte es noch keine gegnerische Mannschaft die italienische Defensive zu bezwingen.
An diesem Abend lieferten sich die beiden europäischen Fußballgiganten einen waschechten Krimi um den Finaleinzug, und die Deutschen zeigten paradoxerweise den reifsten, konzentriertesten Auftritt des ganzen Turniers. Doch Marcello Lippi riskierte mehr: Er erkannte die Schwachstellen des Gegners – und hatte in der Verlängerung mit Totti, Del Pierro, Iaquinta und Gilardino sage und schreibe vier nominelle Stürmer auf dem Platz. Ob Italien jemals in seiner Länderspielgeschichte so offensiv gespielt hat?
In jedem Fall wurde er belohnt, die letzten Minuten wurden zu einem geradezu wahnwitzigen Spektakel apokalyptischen Ausmaßes: Erst traf Grosso den Deutschen ins Herz, anschließend machte Del Pierro den Deckel drauf. Eine ganze Nation lag am Boden, musste aber doch einsehen, dass die reifere Mannschaft gewonnen hatte.

523119_FULL-LNDPlatz 12: Uruguay 4:2 Argentinien
WM 1930/Finale
Das erste WM-Finale überhaupt galt bei den Zeitzeugen als bestes Fußballspiel des Turniers, vielleicht sogar überhaupt. Das Nachbarschaftsduell zwischen dem Gastgeber Uruguay und den Argentiniern um ihren Superstar Guillermo Stábile war ein absolut würdiges Premierenendspiel – und eine Neuauflage des Finals der Olympischen Spiele zwei Jahre zuvor. Nach 1:2-Rückstand zur Pause drehte Uruguay die Partie noch mit drei Toren und sicherte sich mit 4:2 den ersten Weltmeistertitel.
Noch großartiger als das Spiel selbst sind die zum Brüllen komischen „Fun-Facts“ wie aus einer Fußballsteinzeit. Da man sich nicht auf einen Ball einigen konnte, entschied man sich in der ersten Halbzeit den argentinischen und in der zweiten Halbzeit den heimischen Ball zu verwenden. Der belgische Schiedsrichter John Langenus akzeptierte erst wenig Stunden vor Anpfiff seine Teilnahme bei dem Endspiel, nur unter der Bedingung, dass ein Schiff im Hafen von Montevideo bereitsteht, das ihm im Notfall die Flucht ermöglicht hätte. Und um einen reibungslosen Ablauf des Spiels zu sichern, wurden den Zuschauern vor dem Spiel die Revolver abgenommen.

96e611a4e37775f4e672fdb11e4f174fPlatz 11: Deutschland 8:7 Frankreich n.V.
WM 1982/Halbfinale
Es ist die 57. Minute an diesem wundervollen Sommerabend in der andalusischen Traumstadt Sevilla. Ein Pass wie ein in Stein gemeißeltes Meisterwerk erreicht den nach vorne geeilten Patrick Battiston, der zum Lupfer ansetzt. Toni Schumacher kommt raus, scheint sich aber für die Flugbahn des Balles nur geringfügig zu interessieren. Stattdessen räumt er den französischen Defensivmann mit einer solchen Brutalität ab, dass man selbst beim Zuschauen Gänsehaut bekommt.
Es ist das wohl berühmteste Foul der WM-Geschichte (mal abgesehen von Zidanes Kopf-Bumser) und das wohl dämlichste; denn es minimierte einen facettenreichen Fußballkrimi in der Berichterstattung zu einer einzigen Szene, und das tut diesem Spiel unrecht.
Sowohl die Franzosen, als auch die Deutschen hatten sich von ihren peinlichen Vorrundenauftritten erholt und spielten mittlerweile ansehnlichen Fußball. Angetrieben von ihren beiden omnipräsenten Kapitänen Michel Platini und Karl-Heinz Rummenigge(in diesem Spiel nur als Einwechselspieler) schenkten sich die Kontrahenten keinen Millimeter Rasen und fighteten bis zur Selbstaufgabe. Nach 90 Minuten hatte jedes Team ein Tor erzielt und einmal die Latte getroffen.
In der Verlängerung schienen die Deutschen wie ein Kartenhaus zusammen zu brechen. Doch durch Treffer von Rummenigge und dem unnachahmlichen Fallrückzieher von Klaus Fischer ging es ins erste Elfmeterschießen einer WM-Endrunde. Dort wurde ausgerechnet der Buhmann zum Held: Toni Schumacher parierte zwei Strafstöße und schickte die deutsche Nationalelf ins Endspiel.
Tore, Skandale, Herzinfarkte im Publikum – ein Spiel, das alles auf Lager hatte, was man sich als Fußballfan wünscht. Doch darüber hinaus hatte es weitreichende Bedeutung: Mit ihm festigte die Nationalelf endgültig ihren Ruf als kaum niederzuringendes Team, das niemals aufgibt und auf jede noch so ausweglose Situation eine Antwort zu haben scheint. Dies ging allerdings auf Dauer zu Lasten der spielerischen Komponente.
Deutschland stand nach dem einzig wirklich weltmeisterlichen Auftritt des Turniers durchaus überraschend im Finale. Dort fielen sie erneut wie ein Kartenhaus in sich zusammen, standen aber diesmal nicht wieder auf.

Weiter zu den Plätzen 6-10!

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