Die 5 besten DFB-Pokalendspiele

20120510_imago03583370m_DickelNorbert_thumb Platz 5: 1989: Borussia Dortmund 4:1 Werder Bremen
Eine zwei Jahrzehnte dauernde Leidenszeit lag hinter der Borussia und ihrem stolzen Anhang. Nach vier Jahren Zweitklassigkeit und dem Absturz in die nationale wie internationale Bedeutungslosigkeit standen die Dortmunder 1989 endlich wieder im Finale von Berlin. Gegner waren die favorisierten Bremer, zum damaligen Zeitpunkt wohl mittelfristig die Nummer 2 in Deutschland. Ausgerechnet der spätere Dortmunder Karl-Heinz Riedle brachte den Titelanwärter von der Weser in Führung. Dann schlug die Stunde von Nobby Dickel. Der am Knie verletzte Stürmer, der eigentlich nicht rechtzeitig fit wurde, markierte den Ausgleichstreffer. In der zweiten Halbzeit spitzte sich die Dramatik immer weiter zu: Frank Mill traf zur Dortmunder Führung, eine Viertelstunde später schnürte Dickel nach einem Konter den Doppelpack und mutierte zum Helden von Berlin. Nach der Entscheidung wenige Sekunden später stand der erste Dortmunder Titel seit 23 Jahren fest. Die Schwarz-Gelben holten sich nicht nur eine tiefe Seelenmassage für die blassen Jahre zuvor, sie legten auch den Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft des Vereins, die 1997 vom Triumph in der Champions League gekrönt wurde.

i_920_UER_Funkel Platz 4: 1985: Bayer 05 Uerdingen 2:1 Fc Bayern München
Mitte der Achtziger dominierten die Bayern ganz Fußballdeutschland. Im Sommer ’85 wurde das Team von Trainerlegende Udo Lattek souverän Meister ohne je ein einziges Mal nicht auf Platz 1 gestanden zu sein. Auch der DFB-Pokalsieg war schon so gut wie eingetütet, hatten die Bayern schließlich zuvor noch nie ein Finale verloren. Selbst das ZDF war nur für Bayern als Sieger vorbereitet, alle Kamerawagen und Reporter waren vor dem Hotel der Münchner stationiert worden. Doch die Werkself aus Krefeld gestaltete sich als ebenbürtiger Gegner. Die Mannschaft war gerade dabei sich dauerhaft in der Bundesliga zu etablieren und hatte die Saison auf einem beachtlichen siebten Platz abgeschlossen. Am Tag des Finales, einem Pfingstsonntag, hatte es in Berlin tropische Hitze, fast 35 Grad wurden gemessen. Ebenso heiß waren die giftigen Vorgeplänkel, bei denen die beiden Herdenhirsche Lothar Matthäus und Matthias Herget gehörig Giftpfeile in alle Richtungen verschossen. Doch das war mit dem Anpfiff alles vergessen: Bayern erwischte den besseren Start und krönte bereits nach acht Minuten ihre Anfangsanstrengungen mit dem frühen 1:0 durch Pokalfuchs Dieter Hoeneß. Doch der Schock saß nur kurz: Horst Feilzer erzielte mit einem fantastischen Volleyschuss postwendend den Ausgleich. Nun dominierten die Uerdinger das Spiel nach Belieben. Trainerlegende Karl-Heinz Feldkamp hatte seinem Team eine perfekte taktische Marschroute vorgegeben, die nicht nur die Bayern-Regisseure Matthäus und Lerby kalt stellte, sondern auch immer wieder für massive Torgefahr sorgte. Nach einem Platzverweis für Bayerns Dremmler kurz nach der Pause schlug sich das Schicksal endgültig auf die Seite der Außenseiter. In der 68. Minute schließlich war es so weit: Wolfgang Schäfer, kurz Kapp genannt, erzielte den 2:1 Siegtreffer. Bayern bekam gegen die respektlosen Außenseiter keinen Stich mehr. Die größte Finalsensation der Pokalgeschichte war perfekt.

2012-05-12T195712Z-01-AA56-RTRMDNP-3-SOCCER-GERMANY Platz 3: 2012: Borussia Dortmund 5:2 Fc Bayern München
„Im Finale hat Dortmund keine Chance“, tönte Ex-Bayern-Stürmer Luca Toni trotzig vor dem Endspiel im Interview mit der größten deutschen Tageszeitung. Doch er überschätzte den in dieser Situation gänzlich überforderten Rekordmeister, und unterschätzte das Momentum, das klar auf Seiten der Schwarz-Gelben lag. Die vergangenen Wochen waren für den ruhmreichen Fc Bayern ein Ritt auf der Rasierklinge, eine Achterbahnfahrt der ganz großen Gefühle. Erst triumphierte die Mannschaft im Elfmeterschießen gegen Gladbach, versagte anschließend im vorentscheidenden Kampf um die Meisterschaft gegen den BVB, rang anschließend überraschend Real Madrid im Halbfinale der Champions League im Elfmeterschießen nieder. Doch trotz seiner unbestreitbaren, individuellen Klasse konnte sich das Team von Jupp Heynckes (noch!) nicht als geschlossene Einheit präsentieren, die für den Erfolg über die Grenzen des machbaren hinaus ging. Die Dortmunder ihrerseits hatten die Bayern im Meisterschaftsrennen ausgeknockt und eine nahezu fehlerfreie Rückrunde gespielt. Die schwarz-gelbe Maschinerie lief auf Hochtouren und konnte auch vom Rekordmeister an diesem Abend nicht gestoppt werden. Nach einer turbulenten Anfangsphase mit einem frühen Tor von Kagawa und je einem verwandelten Elfmeter für beide Mannschaften drehte Dortmund in Person von Robert Lewandowski auf: Drei phänomenale Abschlüsse schickten die Bayern in eine große Depression und katapultierten Dortmund zum größten Erfolg der Vereinsgeschichte. Karl-Heinz Rummenigge sprach von einer „Blamage“ und forderte eine Reaktion im kommenden „Finale Dahoam“ gegen Chelsea. Doch es sollte noch eine Saison dauern, bis sich die Süddeutschen für die Klatsche von Dortmund rehabilitieren konnten.

m1RsRzMsyXuRzswNCmKxafau0b40CL3aQXTVzCj5Z3o_yJ xC17i21knDZ rG_Esjlvg4jtKMO5889bCsWmp_g== Platz 2: 1982: Fc Bayern München 4:2 1. Fc Nürnberg
DFB-Pokalspiele leben in erster Linie von ihren beeindruckenden Heldengeschichten. Egal ob bei Sensationssiegen in der ersten Runde oder bei packenden Finalspielen. Beim Finale von 1982 oblag es Dieter Hoeneß sich in die Fußballhistorie Deutschlands auf immer zu verewigen. In der 13. Minute prallte der Bayern-Stürmer, der in dieser Zeit zusammen mit Karl-Heinz Rummenigge ein Traumsturmduo bildete, mit dem Nürnberger Alois Reinhardt zusammen. Keine böse Absicht, kein schlimmer Zwischenfall, Hoeneß merkte kaum etwas: Der blonde Stürmerstar begab sich an die Seitenlinie. Doktor Müller-Wohlfahrt versorgte die Wunde notdürftig mit einem kleinen Pflaster, doch sie wollte einfach nicht aufhören zu bluten. Immer neue Pflaster kamen an die Wunde, die gesamte erste Halbzeit lang musste der Spieler versorgt werden. Inzwischen kamen die Nürnberger der Pokalsensation ganz nahe: Erst traf Hintermaier aus 40 Metern zum 1:0, dann erhöhte Club-Angreifer Dreßel kurz vor dem Halbzeitpfiff auf 2:0.
Dieter Hoeneß musste für das Team die Zähne zusammen beißen. Ohne Betäubung wurde er in der Halbzeit schmerzhaft mit acht Stichen genäht, anschließend wurde der legendäre Turban um seine Stirn gelegt. Die zweiten 45 Minuten schließlich sollten alles bisher dagewesene an Dramatik locker in den Schatten stellen, die vielleicht größte Aufholjagd der Bayern-Geschichte. Und Hauptprotagonist ist nur einer: Der blutende Hoeneß. Erst legte er per Kopf (!) auf Rummenigge der den Anschlusstreffer markierte. Nach Wolfgang Kraus‘ Ausgleich traf schließlich Veteran Paul Breitner per Elfmeter zur Führung. Doch das eigentliche Highlight folgte erst in der letzten regulären Spielmute: Der unermüdliche Kämpfer mit dem blutverschmierten Turban stieg im Nürnberger Strafraum in die Lüfte und versenkte eine Breitner-Flanke zum 4:2-Siegtreffer. Ein Spiel wie ein Orkan, ein unerschütterlicher Pokalheld als unsterbliche Legende.

guenter-netzer-gladbach-17-09-2014-imago-02424332h Platz 1: 1973: Borussia Mönchengladbach 2:1 1.Fc Köln n.V.
„Trainer, ich spiele dann jetzt!“. Ein Satz für die Geschichtsbücher des deutschen Fußballs. In der Saison 1972/73 war Borussia Mönchengladbach von internen Streitigkeiten zerrüttet. Im nationalen Fußballgeschäft war der Verein mittlerweile von Bayern München eingeholt worden; vor allem zwischen Trainer Hennes Weisweiler und Superstar Günter Netzer hing der Haussegen schief. Für den exzentrischen Regisseur war es die letzte Saison bei den Fohlen, der Wechsel zu Real Madrid war längst bekannt. Für den herrischen Trainerfuchs ein weiterer Grund, Netzer im entscheidenden Spiel der Saison auf die Bank zu verbannen. Nach einer spektakulären ersten Hälfte mit einem gerechneten 1:1-Halbzeitstand lehnte Netzer seine Einwechslung noch ab, er nach 90 Minuten ergriff er schließlich Eigeninitiative – und wechselte sich ohne Weisweilers Wissen selbst ein. Nur zwei Minuten später verwandelte der streitbare Star der Mannschaft einen mustergültigen Doppelpass perfekt zum 2:1 Siegtreffer für die Fohlen, und das obwohl er den Ball gar nicht richtig traf.
Abgesehen von dieser kuriosen Szene hatte das Finale von ’73 noch einiges mehr vorzuweisen. Das Rheinderby um den DFB-Pokalsieg gilt zurecht als eines der besten Spiele, die je auf deutschem Boden ausgetragen wurden. Unter geradezu tropischen Temperaturen in Düsseldorf zeigten beide Mannschaft für die damalige Zeit geradezu unverschämt atemberaubenden Hochgeschwindigkeits-Fußball. Das Match verband gnadenlose Offensive, unbändige Leidenschaft, entfesselte Spielkunst und wahnwitzige Dramatik. Über 120 Minuten ging es auf und ab – die Schlussmänner Gerd Welz und Wolfgang Kleff standen unter Dauerdruck. Günther Netzers Selbsteinwechslung mit dem anschließenden Gladbacher Happy-End war nur das Sahnehäubchen auf eine phänomenale Partie, die wohl auf lange Zeit das vielleicht beste Pokalfinale aller Zeiten bleiben wird.

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