Die 10 besten Seeed Songs

Genau heute vor 15 Jahren kaufte ich mir als kleiner, rebellischer Schlawiner von meinem Taschengeld „New Dubby Conquerors“. Und heute, 180 Monate, vier Studioalben und sechzehn Konzertbesuche später, ist Seeed nach wie vor meine absolute Lieblingsband aus dem deutschsprachigen Raum. Unzählige Konzertpausen und Ruhephasen konnten mir eben so wenig etwas ab wie die zahlreichen Stilwechsel der Gruppe. Hier möchte ich euch noch die (meiner Meinung nach) zehn besten Songs der Gruppe präsentieren. Viel Spaß!

 

 

 

new dubbyPlatz 10: Fire the Hidden
Gleich als Einstieg ein echter Geheimtipp aus dem legendären, sagenumwobenen Debütalbum „New Dubby Conquerors“, der sich ohne Mühe aus dem großen Feld hochklassiger Seeed-Songs heraushebt. Der Text ist ganz in Englisch gehalten und ein Paradebeispiel der grenzenlosen Experimentierfreudigkeit der Berliner Gruppe auf ihrer ersten Scheibe. Getrieben wird das Lied vor allem von Tobsen Cordes‘ wuchtgier Bassline und dem kantigen, messerscharfen Rhythmus.

 

nextPlatz 9: Goosebumps
Der Dancehall-Stil auf Next! war außergewöhnlich kommerziell ausgelegt. Songs wie „Oceans Eleven“ oder das in der Eröffnungsfeier der Fußball-Weltmeisterschaft in München vorgetragene „Schwinger“ brannten sich in das Gedächtnis einer ganzen Generation ein. Doch es war vor allem „Goosebumps“, der abertausende von Tanzflächen zum vibrieren brachte. Ein Song ist zwar nur etwas weniger als drei Minuten lang, besitzt dafür aber mehr Coolness als weite Teile Grönlands. Der Groove, das Timing, die Harmonien: Besser kann man einen in seiner Grundstruktur simplen Song nicht präsentieren.

 

releasePlatz 8: Release
Anhand seiner bloßen musikalischen Qualität wäre er in dieser Liste wohl nicht aufgetaucht, doch der Einfluss dieses Liedes auf die folgende Karriere der Berliner ist einfach zu groß. Durch die Aufnahme in die Playlist des Millionenseller-Games „Fifa 05“ wurde die Gruppe in neue Höhen katapultiert.
Der Track ist mit seiner schallenden Leadgitarre und dem stampfenden Rhythmus ein echter Leckerbissen, der dreiteilige Harmoniegesang das absolute Sahnehäubchen.

 

5053105-5470-2-9_Digipack 2492.inddPlatz 7: Augenbling
‚Augenbling‘ ist mit mehr als 350.000 verkauften Einheiten die erfolgreichste Single der Gruppe – und ein Dorn im Auge waschechter Fans früher Tage, die den Song mit Culcha Candela und deren platten Nonsens-Hymnen vergleichen. Doch Hand aufs Herz: ‚Augenbling‘ ist so etwas wie ein perfekter Pop-Tanzflächen-Killer, der so in im deutschsprachigen Raum nur von Seeed kommen kann.
Er verbindet leichtlebigen Pop mit ernsthaften Reggaesound und ist dadurch ein einzigartiges Prachtstück. Immer wieder und wieder lief die Single hypnoseartig im Radio, in Fitnessstudios, Clubs, Bars, Cafés oder auf den Smartphones vorbeiziehender Passanten. Doch seine Energie, kräftiger als ein ganzes Blockheizkraftwerk, ist einfach nicht tot zu kriegen.

 

 

new dubbyPlatz 6: Tide is High
Das Original ist ein Rocksteady-/Soulklassiker der Paragons, Blondie machten daraus eine New Wave-Hymne, Atomic Kitten einen schlechten Witz, Seeed oblag es den Song wieder zurück zu seinen Wurzeln zu bringen – und wie! Der stark veränderte, deutschsprachige Text geht unter die Haut, der Rest ist Sommerfeeling pur. Der wabernde, basslastige Rhythmus bringt die begeisterte Ohrmuschel zum vibrieren während Dellés Stimme aus dem Nirvana durch die Boxen zu schlingern scheint. Ergänzt wird das schlafmützige Spektakel durch einen außergewöhnlichen Einsatz der Bläserfraktion.

 

cherryPlatz 5: Cherry Oh 2014/Waiting
Nach mehr als einem Jahrzehnt voller musikalischer Experimente und Ruhephasen geht die 2014 erschienene Single ‚Cherry Oh 2014‘ zurück zum Ursprungsort: Leichtlebiger und doch anspruchsvoller Reggaesound mit vollem Einsatz aller Instrumente.
‚Cherry Oh 2014‘ erinnert durch seinen beschwingten Sound und den entspannten Produktionsstil an die Anfangstage von Trojan Records, die fein ausgefeilten Bläserpassagen und der vielsagend nichtssagende Text tun ihr Übriges.
Ein echter Ohrenschmaus ist auch die B-Seite ‚Waiting‘, die auf den Erfahrungen der Südamerika-Tournee basiert. Ihn kann man sich hunderte Male anhören – er verliert nichts von seiner erdgebundenen, ungehobelt leidenschaftlichen Art.

 

dickesbPlatz 4: Dickes B
Unzählige nationale wie internationale Künstler – von David Bowie über Lou Reed bis hin zu Udo Lindenberg – besangen die deutsche Hauptstadt auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Doch niemand tat dies mit solch einer leidenschaftlichen Inbrunst und Überzeugung wie Seeed auf ihrem Debütalbum 2001. Es war die schonungslose Ehrlichkeit („woanders gibt’s ’ne Sperrstunde, bei uns die Müllabfuhr) und die bedingungslose Authentizität („Mama Berlin, Backstein und Benzin), die dieses Lied zu einer einzigartigen, tiefen Verbeugung vor der in aller Welt bekannten Metropole macht.
Noch unzählige Generationen junger Berliner werden zu diesem Song aufstehen und mitsingen.

 

new dubbyPlatz 3: Papa Noah
Heute klingt „Papa Noah“ wie ein antikes Musikstück aus einer anderen Welt. Statt markanten Beats und vibrierendem Wummen werden hier zur Verfeinerung schnelle Gitarrenanschläge und das aus den Neunzigerjahren populäre Scratchen von DJ Illvibe verwendet.
Dadurch wird der dritte Track des Debütalbums zu einem absoluten Highlight. Er klingt wenig effekthaschend und ist durchgehend bodenständig produziert. Dennoch vermittelt er den Eindruck, als würde der Hörer direkt neben der Band auf einem ihrer energiegeladenen Liveshows sitzen.
„Papa Noah“ wurde nie als Single herausgegeben und war erst recht nie ein Hit. Dies tat dem Lied nur gut: Bis heute ist der Song exakt so unverbraucht geblieben wie im Sommer 2001.

 

waterpumpeePlatz 2: Waterpumpee
Auf „Music Monks“ erreichte die musikalische Schaffenskraft der elf Berliner phasenweise ihren unerreichten Höhepunkt. Und  „Waterpumpee“ ist wiederum der Höhepunkt dieses Albums.
In der Tat war das „mobile Reggae-Sondereinsatzkommando“ vielleicht nie so treffsicher und atemberaubend zielstrebig wie hier. Das Instrumental ist rundum gelungen und in seiner treibenden Mannigfaltigkeit fast perfekt. Zusätzlich spielt jeder der drei Sänger geschickt seine Karten aus: Peter Fox mit stilvollem Sprachgesang, Boundzound mit seinem kratzenden, unaufgeregten Harmoniegesang und Dellé in seiner üblichen Jamaika-Manie.
Alles in allem ein Song der auch nach dem 1.000. Anhören so frisch und munter klingt wie beim ersten Mal.

aufstehnPlatz 1: Aufstehn!
Könnte ein Musikstück einen Adelstitel erwerben; ‚Aufstehn!‘ wäre Kaiser wegen ‚mächtig‘. Bei diesem Popsong stimmt fast alles: Die fein ausgearbeitete Instrumentierung treibt das Lied schonungslos voran, die zeitloste Message und die stimmige Verbindung von Bass und Beats erledigen den Rest. Der Text selbst ist, verpackt in einige für Peter Fox typische Metaphern („…dass ich Gott für deine Kiste preise“) und Umschreibungen, eine Ode an das pure Leben.
Der Song erschien in Zusammenarbeit mit Cee-Lo Green auch in einer englischsprachigen Fassung auf der internationalen Version von „Next!“. Diese Version steht dem Original grundsätzlich in Nichts nach, allein der Text ist im Vergleich zum Deutschen deutlich inhaltsschwächer.

Letzten Endes erwarte ich allerdings nicht, dass diese Liste für bare Münze genommen wird. Gerade bei einer so vielseitigen Band wie Seeed ist es unmöglich, einen klaren Leitfaden vorzuschreiben. So gesehen ist es eigentlich unmöglich, eine fixe Liste von zehn besten Liedern zu erstellen. Wie sieht eure aus? Hinterlasst eure  Gedanken in den Kommentaren!

Advertisements

2 Gedanken zu “Die 10 besten Seeed Songs

  1. Hallöchen!

    Bin über die Hörspiel-Rezensionen auf dich gestoßen, aber geil, dass du auch Seeed-Fan bist! Ich hätte Cherry Oh/Waiting noch etwas besser gerankt, und mir fehlen Psychedelic Kingdom und Riddim No. 1. Und Music Monks, der Titeltrack ist echt geil. 🙂

    Ansonsten stimme ich dir, was Waterpumpee angeht, absolut zu. Der Song ist der Hammer. 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. Hi,

    interessante Liste, die ich größtenteils so unterschreiben kann.

    Für mich persönlich fehlen noch 3 Songs aus dem Album „Seeed“. Meiner Meinung nach eigentlich auch die stärksten Songs des Albums aus 2012: „Deine Zeit“, „Elephants“ und „Wonderful Life“ gehören für mich definitiv zu den musikalisch 10 bestens Songs der Band. „Wonderful Life“ muss meiner Meinung nach sogar mindestens in die Top 3. Goosebumps, Augenbling und Release würden für mich dafür wohl aus der Auflistung gestrichen.

    Auch „Music Monks“ aus dem gleichnamigen Album wäre definitiv in meiner Top 10.

    Aber das Ganze ist wirklich schwer. Ich persönlich empfinde zum Beispiel auch „Slowlife“ als absolutes musikalisches Sahne-Stück. In die Top 10 der Band gehört es jedoch wohl nicht ganz.

    Tolle Auflistung, danke dafür. Deine Anmerkungen zu den einzelnen Songs kann ich so allesamt unterschreiben.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s