Rosenheim Cops – Die 10 Besten Fälle

Schon von Kindesbeinen an habe ich mich als waschechter Bayer in die Serie „Rosenheim Cops“ unsterblich verliebt, zu Spitzenzeiten verpasste ich keine Folge.  Die Figuren sind fein gezeichnet, die Fälle stets charmant, das Bayernbild (zu Beginn) nicht allzu klischeebehaftet. Im Gegensatz zu anderen ZDF-Krimiserien versuchen die Schauspieler hier gar nicht erst allzu ernsthaft, verkrampft und cool zu wirken, die Atmosphäre ergibt sich ganz alleine durch ihre Charakteristik. Das Setting, die Naturbilder, der Soundtrack, die Fälle, die Figuren, das Drehbuch: Alles verschmilzt problemlos zu einer Einheit.

Natürlich sind die „Rosenheim Cops“ nicht die allergrößte, cineastisch wertvollste Serie die in Deutschland je abgedreht wurde, aber sie erfüllt ihren Zweck: Spielerisch zu unterhalten.

Die Geschichte der Rosenheim Cops ist theoretisch in zwei unterschiedlich voneinander zu betrachtende Teile zu splitten. Der erste Teil von 2002 bis ca. 2008, in dem versucht wurde, eine Serie rund um das einmalige Ermittlerduo Korbinian Hofer (Joseph Hannesschläger) und Ulrich Satori (Markus Bröker) aufzubauen. Danach wurde dieses Konzept fallen gelassen. Durch einen erhöhten Bedarf an Material im Vorabendprogramm des ZDF wurde auf eine feinfühlige Ausarbeitung weitestgehend verzichtet. Stattdessen drehen teilweise zwei getrennte Teams unabhängig voneinander neue Folgen. Dementsprechend wechselten auch die Rollen. Joseph Hannesschläger wurde durch eine schwere Knieverletzung Schachmatt gesetzt, statt seiner gesellten sich immer neue Schauspieler oder Kabarettisten als „Ersatzkommissare“ vertretungsweise zum Team. In jüngster Zeit wurden die Folgen mit an Belanglosigkeit kaum zu übertreffenden Nebencharakteren überladen, die den einzelnen Episoden keinerlei Charme verleihen können. Möglichweise hat sich auch einfach das Konzept im Laufe der Zeit festgefahren.

Trotz dieses Qualitätsverlustes habe ich mir alle Folgen auf DVD gekauft und dafür mehrere hundert Euro hingeblättert. Wert war es das allemal! Dadurch kam mir die Idee meine Erfahrungen mit anderen zu teilen und hier meine persönliche Liste der 10 besten Rosenheim Cops Episoden zu verfassen.

 

 

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Platz 10: Eine Leiche on the Rocks (Staffel 4)
Als die Popularität der Serie auf dem Höhepunkt angekommen war, wurden, extra für die langwierige Sommerpause, zwei Langfolgen produziert, die zur besten Sendezeit um 20:15 Uhr ausgestrahlt wurden. Während die erste, „Spuren im Schnee“, zwar außergewöhnliche Darsteller aufweist, aber durch die Simplizität der zu Grunde liegenden Kriminalgeschichte nicht überzeugen kann (eine Zeitung titelte als Kritik: „Der Fall ist Banane – die Cops erste Sahne“), weist „Eine Leiche on the Rocks“ alles auf, was ein klug ausgetüftelter Kriminalfilm braucht.
Die Schauspieler erledigen ihren Job durchgehend professionell, die Geschichte um einen ermordeten Biathleten hat Biss und die Umsetzung der typischen Atmosphäre gelingt perfekt. Um die erforderte Folgenlänge zu erhalten wurden zusätzlich einige Action-Elemente und schwerfällige Verfolgungsjagden eingebaut. Altersunabhängige Situationskomik und kleine, augenzwinkernde Sketche runden den positiven Gesamtcharakter ab.
Natürlich sitzt bei einer überbordenden Länge von fast 90 Minuten nicht jede Sequenz und jede Pointe, doch auch diese langatmige Produktion hat ihr Gutes: So erfahren selbst eingefleischte Fans der Serie viel Neues über ihre Helden.

 

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Platz 9: Schweigegeld (Staffel 1)
Zu Spitzenzeiten musste in Rosenheim noch niemand umgebracht werden, um eine geniale Folge zu inszenieren. In diesem Fall reicht schon ein Juwelenraub mit anschließendem versuchten Versicherungsbetrug. Doch das genügt, um eine wundervolle Aura zu erschaffen.
Diese zweite Folge der Serie lebt ganz allein von seinen unterschiedlichen Charakteren. Zum Johlen komisch: Die beiden vom Leben gebeutelten Versager, einer davon passend dazu ein leidenschaftlicher Sechzger-Fan.  Ebenso wird hier Hofers menschliche Ader deutlich. Mit allen Mitteln kämpft er für die Freilassung der beiden naiven Querulanten. Durch diesen omnipräsenten Gerechtigkeitssinn wird er zu einer Art zweitem Benno Berghammer, auch wenn dieser Vergleich durch die ohnehin schon zahlreichen Parallelen zwischen den beiden bayerischen Krimiserien zurecht verpönt ist.

 

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Platz 8: Die Leibwächter der schönen Barbara (Staffel 4)
In diese Folge werden erstmals dramatische Elemente mit schaurigem Gruselfaktor präsentiert: Die Geschehnisse um den Hoferschen Hof, in dem unsere beiden Lieblingskommissare für die vermeintlich bedrohte Witwe Personenschutz leisten sind fast nervenzerreißend spannend und sorgen für garantiert hohen Puls bei allen Zusehern.
Die obligatorische Parallelgeschichte, in der die gute Stockl die Hintergründe des Diebstahls von Michis Uniform verschleiern will, drückt ein wenig auf die Spannungsbremse, ist jedoch außerordentlich lustig. Zum Schluss werden die überraschenden Verstrickungen und die dramatische Aufklärung gekonnt aufgelöst.

 

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Platz 7: Über den Dächern von Rosenheim (Staffel 3)
Der Fall um den Mord an einer gefeierten Opernsängerin ist klug inszeniert und hervorragend ausgearbeitet. Gerade die akribischen Ermittlungsmethoden mit Michi als allumfassender Speerspitze sind hervorragend aufgezeigt. Die überraschenden Wendungen und genialen Stolpersteine in der Handlung machen die Folge zu einem unwiderstehlichen „All Time Favorite“.
Besonders herzergreifend ist Korbinians Techtelmechtel mit einer schmucken Empfangsdame des Hotels, das leider schicksalhaft zum Scheitern verurteilt ist.
Gen Ende sorgt die Folge für den vielleicht radikalsten „Plot Twist“ den diese Serie je erlebte: Sowohl der Täter als auch das Motiv sind höchst überraschend und hauen altgediente Krimifans vom Hocker.

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Platz 6: Nur der Mond war Zeuge (Staffel 5)
Mit dem oberlehrerhaften Polizeipräsidenten Dr. Maximilian Heppt (Hubert Mulzer), der kalkulierenden Gerichtsmedizinerin Dr. Ursula Kern (Maren Schumacher) und Hofers neuem „Sidekick“ und Hauptkommissar Christian Lind (Tom Mikulla) kamen zu Beginn von Staffel 5 neue Figuren in die Sendung. Sie brachten eine wesentlich höhere schauspielerische Kompetenz und weitaus mehr polizeiliche Sachlichkeit in das Format. Der Charme früherer Staffeln sollte mit dem Auseinanderreißen des Gespanns Hofer-Satori jedoch nicht mehr erreicht werden.
Um diesen Verlust aufzufangen wurden altbewährte Figuren wie Marie Hofer als Stadträtin in den Vordergrund gerückt. Mit Erfolg. Auch dieses Kapitel steckt voller imposanter Highlights:
Zum Schießen: Günter Grünwald in seiner Gastrolle als Postbeamter Xaver Grandauer.
Zum Johlen: Hofers Kreuzverhör mit einem verdächtigen Künstler: „Vielleicht san’s einfach nur blöd.“

 

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Platz 5: Im Auftrag seiner Majestät (Staffel 2)
Ein Fall ohne Leiche, dafür aber mit ganz viel Charme. Die Geschehnisse umweben den benachbarten Chiemsee, eine verschwundene Studentin und einen betagten Hausbesetzer, der sein Quartier auf der Insel nicht freiwillig aufgeben will. Die mysteriösen Begebenheiten um ein „Monster“, das die Besucher der Insel terrorisiert, werden mit viel Witz und großartigen Szenen beim Camping verarbeitet. Die Landschaftsaufnahmen von Herrenchiemsee wurden freilich ein wenig märchenhaft aufgefangen, doch dies richtet in einer Serie, die ohnehin von ihrer heimatlichen Aufmachung lebt, keinen Schaden an.
In dieser Folge wird ebenso deutlich welch ein außergewöhnliches Gespür die Produzenten dieser Reihe für erstklassige Schauspieler aus dem Nachwuchsbereich hatten: Antoine Monot Jr. tritt hier in einer Nebenrolle auf, noch lange bevor er sich als „Tech-Nick“ und in „Ein Fall für Zwei“ einen Namen machen sollte.

 

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Platz 4: Auf der Spur des Heiligen Antonius (Staffel 4)
Ein weiteres Glanzstück aus dem Pulk von phänomenalen Folgen aus Staffel Numero Vier, das vor allem durch seinen geschickt ausgeklügelten Plot besticht. Die Auflösung des zunächst allzu gewöhnlichen Mordes wird bald durch viele Geheimnisse und Rätsel erschwert, deren Schatten bis in die Vergangenheit reichen. Doch das eingespielte Kriminalduo aus dem bayerischen Voralpenland löst auch diesen Fall mit Bravour.
Garniert wird dies mit fantastischen Nebenfiguren (besonders witzig: die gewöhnliche Putzfrau als selbsternannte Seherin) und aufregenden Situationen, in denen der typische Humor der frühen Episoden außergewöhnlich gut zum Tragen kommt.
Und das ist euch immer noch nicht genug? Beinahe wäre der gute Korbinian Hofer in dieser Folge Vater geworden. Doch das ist wieder eine andere Geschichte.

 

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Platz 3: Die Zocker von Rosenheim (Staffel 1)
Bobby Lewinski war mit kilometerweitem Abstand der beste Wirt, der bei den Rosenheim Cops je Weißbier ausschenkte. Seine Figur vereinigte spielerisch verruchte Kleinkriminalität mit charmantem Humor. Nie danach tauchte bei den Rosenheim Cops so ein bodenständiger Halunke auf. In diesem Finale der ersten Staffel rankt sich das Geschehen um ihn und seine mysteriösen Machenschaften in einer illegalen Pokergemeinschaft.
Unzählige Leute versuchen bei den Rosenheim Cops inhaltliche Fehler oder Merkwürdigkeiten vor der Kamera herauszupicken, doch bei diesem Fall ist das fast unmöglich: Hier stimmt einfach alles. Die Folge vereint sämtliches, was diese Serie jahrelang für ein breites Publikum im Vorabendprogramm so appetitlich machte: Genialer Wortwitz, erstklassige Situationskomik, stimmungsvolle Bilder und ein erstklassiger Soundtrack. Während nahezu jeder Folge der ersten Staffel wurde man das Gefühl nicht los, dass noch an vielen Stellschrauben gedreht wurde. Die Darsteller und die Verantwortlichen hinter dem Set probierten ihr Produkt und sich selbst laufend aus und erproben die Grenzen des Machbaren. Hier scheint erstmals alles perfekt zu passen.

 

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Platz 2: Der Rivale im Kofferraum (Staffel 2)
Hofer unter Mordverdacht! Ein dramatischer Umstand, der alsbald in der lustigen „Kuchen-Szene“ wieder entschärft wird. Im Fokus der Ermittlungen stehen hier zwei unbekannte, rothaarige Schönheiten, ein schmieriger Zuhältertyp – und zu guter Letzt der Kriminalhauptkommissar selbst. Schon der Biergarten-Streit (garniert mit klischeehafter Blasmusik) mit dem zukünftigen Opfer ist Stoff für ganz großes Kino, doch die weitere Handlung ist absolute Extraklasse.
Zugegeben: Der Plot ist hier eher „straight forward“ und auch wegen dem Mangel an vielen Verdächtigen eher simpel gehalten. Doch genau dies tut der Folge auch gut. Durch das Fehlen von solch profanen Personen wie einer geldgierigen Witwe, eines rachsüchtigen Nachbarn oder einer zerstrittenen Erbengemeinschaft verlagert sich die Handlung ausschließlich auf die von rasenden Dialogen getragenen Einzelsequenzen, die zusammen ein höchst unterhaltsames Bild abgeben.
Und zu guter Letzt wird alles wieder gut: Der Mörder wird durch einen Trick mit neuen Alliierten überlistet und Vincent darf nicht mit dem Traktor seines weggesperrten Onkels über die Felder Rosenheims tuckern.

 

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Platz 1: Neue Opfer für König Ludwig (Staffel 4)
Im Laufe von Staffel 4 entwickelte das Ensemble der Rosenheim Cops die Präzision eines Schweizer Uhrwerks. Sowohl Hofer und Satori als auch die zahlreichen Nebendarsteller, angefangen vom  bezaubernden Polizeichef Balthasar bis zu dem herzlich naiven Wirt Leo, kreierten eine ganz besondere Handschrift, die die schönsten Folgen dieses Formats generierte.
Folgen wie „Neue Opfer für König Ludwig“ bestechen durch sagenhaft urigen Witz, großartige Schauspielerleistungen und interessante, obgleich relativ harmlose, Kriminalistik. Diese Folge widmet sich dem rätselhaften Mord an einem boshaften Richter und neue Erkenntnisse um den sagenumwobenen Tod von Ludwig II.
Die genannten Verschwörungstheorien um den Tod des bayerischen Märchen-Monarchen müssen glücklicherweise bald dem üblichen Charme der Rosenheim Cops weichen. Vielleicht nie vorher und definitiv nie nachher wurde so souverän ein spannender Kriminalfall mit leidenschaftlicher Heimatkomödie verbunden wie in dieser Episode.
Und die Gags? Hier im Übermaß vorhanden. So gibt sich der herzallerliebste Michi beim Internet-Flirt als  „Supercop“ einer „geheimen Spezialeinheit aus München“ aus – und landet ausgerechnet bei der Altbekannten Stockl.

 

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